Ausgehend von Fragen, die im Rahmen der Erstberatung an unsere Beratenden herangetragen wurden, habe ich mich auf den Weg gemacht und Referierende zum Thema Fehl- und Doppeldiagnosen gesucht. Roy Kübrich empfahl mir dann direkt Inga Liebert-Cop und Suzana Zirbes-Domke. Im Herbst gelang es, die beiden zu überzeugen, nach Leipzig zu kommen und zu diesem spannenden Thema zu referieren.
Beide sind Herausgeberinnen des Buches von James T. Webb et al: Hochbegabte Kinder: Das große Handbuch für Eltern. Sie sind SENG Liaisons für Deutschland und engagieren sich in der Initiative zur Verringerung des Risikos einer klinischen Fehldiagnose bei hochbegabten Kindern. Außerdem haben sie den SENG Flyer zu Fehldiagnosen ins Deutsche übertragen und für den deutschsprachigen Raum angepasst.
Leider erkrankte Frau Zirbes-Domke kurzfristig, so dass Frau Liebert-Cop den Abend allein gestaltete, aber das überzeugende machte.
Zu Beginn stellte sie uns dar, dass die Übersetzung des Buches von James T. Webb aus dem Englischen dem Inhalt teilweise nicht gerecht wurde, weil sich im Zusammenhang mit Hochbegabung bereits eine „Fachsprache“ gebildet hat, die durch einfache Übersetzung nicht getroffen werden kann. Eine spannende Erkenntnis!
Inga Liebert-Cop referierte in diesem Zusammenhang zu ADHS/ADS, Autismus Spektrum Störungen und Depression und beantworte unsere zahlreichen Fragen. Anhand von Beispielen wies sie uns auf typische Verwechslungen und auf die feinen Unterschiede, die es zu beachten gilt, hin. Wir konnten Einsicht nehmen in Diagnosefragebögen für betreuende/begleitende Erwachsene wie Eltern, Lehrer ect. und für die Kinder und Jugendlichen selbst. Dabei stellte sich die Erkenntnis ein, dass einige Kriterien für diese Art der Erkrankungen auch Kennzeichen von Hochbegabung sein können. Beispielsweise ist ein Kriterium bei ADHS sein, dass ein Kind viele, scheinbar mit dem Thema, nicht zusammenhängende Fragen stellt. Oder die exzessive Beschäftigung mit einem spezifischen Thema kann ein Merkmal der Hochbegabung, aber auch einer an Autismus leidenden Person sein.
Die Unterscheidung ist letztlich nicht anhand der Diagnosebögen, sondern durch aufmerksames Beobachten und Hinterfragen der Motivation des zu beurteilenden Kindes durch die, die Diagnose stellende Person mit Erfahrungen im Bereich Hochbegabung möglich. Das kann aber auch bedeuten, dass ein hochbegabtes Kind unerkannt bleibt, wenn keine der begleitenden erwachsenen Personen, den Verdacht auf Hochbegabung hat.
In den sich auch ergebenden Diskussionen konnten unter den Teilnehmenden viel Erfahrungen und Wissen geteilt werden und es wurde gleich die nächste Idee für einen spannenden Elternabend geboren.
Wir haben viel gelernt und insbesondere die anwesenden Beratenden werden mit diesem Thema noch sensibler in der Beratung umgehen können und die Eltern anregen, Diagnosen auch kritisch zu hinterfragen, ggf. eine Zweitmeinung einholen. Auch damit im Fall einer ordnungsgemäßen Doppeldiagnose ein guter Umgang damit die bestmögliche Entwicklung für das Kind ermöglicht.
Möglich wurde dieser Elternabend auch durch eine Förderung der Stadt Leipzig im Rahmen der Förderung von Selbsthilfeprojekten.
Jana Allisat
DGhK Mitteldeutschland e.V.

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