Förderung durch Eltern
Die Entdeckung, dass Ihr Kind hochbegabt ist, eröffnet ein Feld voller Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Wichtig ist, dass Ihr Kind spürt: Seine Hochbegabung ist ein Geschenk, das gefeiert und gefördert werden sollte.
Lernen im eigenen Tempo
- Ehrgeiz ausbalancieren: fördern Sie den Lerneifer Ihres Kindes, ohne es zu überfordern. Achten Sie darauf, dass das Kind das Lernenstempo bestimmt
- Wissensdurst stillen: beantworten Sie Fragen Ihres Kindes ausführlich und gestehen Sie sich ein, wenn Sie nicht weiterwissen
- Vielfältige Interessen: bieten Sie Ihrem Kind Anregungen in unterschiedlichen Themengebieten an
Stärken und Schwächen
- Individuelle Förderung: unterstützen Sie die Stärken Ihres Kindes und arbeiten Sie gemeinsam an seinen Schwächen ohne zu überfordern
- Aufklärung über Hochbegabung: Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über die Vor- und Nachteile seiner Hochbegabung
Außerschulische Angebote
- Vernetzung mit Gleichaltrigen: organisieren Sie Treffen mit anderen hochbegabten Kindern, zum Beispiel über unsere Veranstaltungen
- Kulturelle Bildung: besuchen Sie Museen, Ausstellungen, Konzerte oder Theater
- Zugang zu Wissen: ermöglichen Sie Ihrem Kind den Zugang zu Büchern, Computern und Software (z.B. über die örtliche Bibliothek)
- Sprachliche und technische Fähigkeiten: nutzen Sie Angebote wie Fremdsprachen für Kinder, Computerkurse, Schach-AG oder VHS-Kurse
- Kreativität und Sport: ermutigen Sie Ihr Kind, sich künstlerisch oder sportlich zu beschäftigen
Unterstützung im Alltag
- Alltagskompetenzen: vermitteln Sie praktische Fähigkeiten, die Ihr Kind im täglichen Leben braucht
- Erfahrungsaustausch: treffen Sie sich mit anderen Eltern hochbegabter Kinder – zum Beispiel in unseren Elterngruppen um Unterstützung und neue Perspektiven zu gewinnen
- Auszeiten: gönnen Sie sich eigene Ruhezeiten – das kommt nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Kind zugute
Offener Umgang mit Hochbegabung
- Transparenz schaffen: gehen Sie offen mit dem Thema Hochbegabung um und finden Sie eine Balance, damit sich Ihr Kind in seiner Haut wohlzufühlt
Die Förderung hochbegabter Kinder erfordert Einfühlungsvermögen, Engagement und die Bereitschaft, sowohl die einzigartigen Fähigkeiten als auch die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und zu unterstützen. Mit einer Kombination aus häuslicher Unterstützung, sozialen Netzwerken und außerschulischen Angeboten können Sie Ihrem Kind helfen, sein volles Potenzial zu entfalten.
Förderung durch Lehrer*innen und Erzieher*innen
Förderung durch Lehrer*innen und Erzieher*innen
In der vielfältigen Bildungswelt steht die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes im Mittelpunkt der pädagogischen Bemühungen. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Gruppe der hochbegabten Kinder, deren einzigartige Talente und Bedürfnisse spezifische Ansätze und Strategien erfordern.ErzieherInnen und LehrerInnen haben die Aufgabe, diese Kinder nicht nur in ihrer schulischen, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Die folgenden Ausführungen bieten praktische Ansätze und Überlegungen, wie hochbegabte Kinder erkannt, gefördert und in das Klassengefüge integriert werden können, um ihnen ein erfüllendes und anregendes Lernumfeld zu bieten.
Wertschätzung der Begabung
- Anerkennung zeigen: verstärken Sie bei hochbegabten Kindern das Gefühl, dass ihre Begabung erkannt und geschätzt wird
- Freiräume schaffen: ermöglichen Sie individuelle Lernräume und vermeiden Sie unnötige Wiederholungen, damit das Kind sein volles Potenzial entfalten kann
Differenzierte Aufgabenstellung
- Vielfältige Lernangebote: bieten Sie Aufgaben, die allen Kindern Wahlmöglichkeiten lassen – um verschiedene Interessen und Fähigkeitsniveaus zu berücksichtigen
- Spezielle Herausforderungen: integrieren Sie Sonderaufgaben wie Knobelaufgaben, die die Neugier anregen und individuelle Leistungen anerkennen ohne das Kind vor anderen hervorzuheben
Integration und Kooperation
- Soziale Einbindung: fördern Sie die Integration des Kindes in die Klassengemeinschaft und schaffen Sie Verständnis für seine besonderen Bedürfnisse
- Peer-Learning: binden Sie das hochbegabte Kind in die Unterstützung von Mitschülern ein – achten Sie jedoch darauf, keine Sonderstellung zu schaffen
Flexible Lernwege
- Individuelle Förderung: bieten Sie Binnendifferenzierung durch spezielle Förderkurse für leistungsstarke Schüler an
- Akzeleration: ermöglichen Sie den Besuch von höheren Klassenstufen oder das Überspringen von Klasse als Probe, um den Lernbedürfnissen des Kindes gerecht zu werden
- Drehtür-Modell: nutzen Sie flexible Unterrichtsmodelle, die es dem Kind erlauben, zeitweise an spezialisierten außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen
Positive Effekte für die Lerngemeinschaft
- Gemeinsames Wachstum: die individuelle Förderung hochbegabter Kinder kann das Lernklima für die gesamte Klasse verbessern und zu einer motivierteren Teilnahme aller Schüler führen
Die Anpassung des Unterrichts an die Bedürfnisse hochbegabter Kinder bietet eine wertvolle Möglichkeit, nicht nur diese Kinder individuell zu fördern, sondern auch das gesamte Lernumfeld positiv zu beeinflussen. Lehrkräfte, die sich dieser Herausforderung stellen, berichten häufig von einer Verbesserung der Klassendynamik und einer allgemeinen Steigerung der Lernmotivation.
Hilfe durch die DGhK
Unterstützung für Familien mit hochbegabten Kindern durch die DGhK
In unserem Regionalverein engagieren sich viele Eltern ehrenamtlich für Familien mit hochbegabten Kindern. Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sind Elterngruppen, die vor Ort oft wie Selbsthilfegruppen organisiert sind und Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung bieten.
Darüber hinaus organisieren wir Veranstaltungen für Kinder zwischen 4 und 16 Jahren, bei denen sie neue Themen entdecken, Gleichgesinnte kennenlernen und Freundschaften schließen können.
Für Eltern und Lehrkräfte bieten wir Gesprächskreise und Informationsangebote rund um den Umgang mit Hochbegabung an. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht und praktische Tipps für den Alltag mit hochbegabten Kindern weitergegeben.
Wir pflegen außerdem Kontakte zu Schulen und Schulverwaltungen, um gemeinsam Lösungen für eine bessere Förderung hochbegabter Kinder zu finden und auf die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder aufmerksam zu machen.
Schulen – auch Spezialschulen – können bei allen Problemen, mit denen Lehrer derzeit konfrontiert sind, keine optimale Förderung hochbegabter Kinder leisten. Mit dem Wissen um Hochbegabung und der Bereitschaft, sich auf neue Wege der Förderung einzulassen, bestehen aber gute Chancen, eine bessere Förderung zu erreichen, als sie derzeit in den meisten Schulen – trotz knapper finanzieller Mittel und trotz hoher Schülerzahlen – möglich ist. Modellversuche an einzelnen Schulen (auch im benachbarten Ausland) haben dies gezeigt.
Neben dem Schulalltag ist in der Regel eine ergänzende Förderung durch die Teilnahme an außerschulischen Angeboten erforderlich, bei denen die betroffenen Kinder auch mit anderen Hochbegabten in Kontakt kommen können.
Hochbegabung ist keine Krankheit oder Behinderung. Hochbegabung ist eine besondere Gabe und Chance, über die wir uns mit dem Kind freuen sollten. Hochbegabte Kinder sind keine besseren Kinder, keine „Elite“, sie sind in einer Eigenschaft anders als andere Kinder. Auf diese Besonderheit sollten wir besser eingehen lernen.
Gemeinsam für hochbegabte Kinder: Gemeinschaftliche Förderung, Austausch in Elterngruppen, außerschulische Bildung und Zusammenarbeit mit Schulen.
Wenn hochbegabte Kinder die Schule verweigern
Eltern und Lehrer sind oft erstaunt, wenn bei einem Kind, das in der Schule schlechte Noten hat, sitzen bleibt oder zurückgestuft wird, eine Hochbegabung festgestellt wird.Hinter dieser Leistungsverweigerung steckt meist eine lange, von den Erwachsenen unbemerkte und vom Kind manchmal gut versteckte Leidensgeschichte, die anhand der folgenden exemplarischen, aber authentischen Szenen aus dem Leben hochbegabter Kinder aufgezeigt werden soll.
Typische Situationen
- Ein dreijähriges Mädchen interessiert sich für Zahlen und Buchstaben. Ihre Mutter bremst sie: „Das hat dich noch nicht zu interessieren, das kommt erst in der Schule.“
- Ein vierjähriger Junge fragt nach Funktionsweise des Toasters. Eine Freundin meint zur Mutter: „Ich habe zwar auch ein intelligentes Kind .. Aber die Frage würde ich ihm nicht beantworten, das versteht es sowieso noch nicht“
- Eine Großmutter erfährt von den Interessen und Fähigkeiten ihres Enkels. Sie reagiert darauf – ehrlich besorgt: „Ich kannte auch mal einen, der war zu intelligent, der kam dann in die Klapsmühle“
- Eine Mutter spricht die Erzieherin darauf an, dass ihre Tochter liest und rechnet und sich im Kindergarten langweilt. Die Antwort lautet: „So weit ist sie noch nicht.“
- Bei der Einschulungs-Untersuchung lässt die Schulärztin ein Kind, das bereits lesen und rechnen kann, Form und Farbe von Bauklötzen nennen. Als das durch die Unterforderung sichtlich genervte Kind die Bauklötze dann auch noch in vorgestanzte Löcher einordnen soll, sagt es: „Ne, mach ich nicht. Soll’s sonst noch was sein?“ Darauf meint die Ärztin zur Mutter: „Na, besonders helle ist der aber auch nicht.“
- Ein Mädchen zeigt in Grundschule ihr großes Wissen auf einem Teilgebiet. Anstatt das Mädchen zu loben, sagt die Lehrerin: „Jetzt nimm mal einen großen Schwamm, wisch all das weg, was du schon weißt, und fang von vorne an.“
Es ist leicht nachvollziehbar, dass solche immer wiederkehrenden Reaktionen dazu führen können, dass sich das Kind von Eltern, Bekannten, anderen Kindern und Lehrkräften nicht verstanden, nicht akzeptiert und nicht so wahrgenommen fühlt, wie es tatsächlich ist. Viele Kinder entwickeln dadurch das Gefühl, im „falschen Film“ zu leben.
Die Kinder erkennen – bewusst oder unbewusst – ihre Hochbegabung als möglichen Auslöser ihres vermeintlichen Problems. In der Folge beginnen manche, sich selbst zu verleugnen: Sie reduzieren bewusst ihre Leistungen, versuchen ihr Potenzial in anderen Bereichen auszuleben oder ziehen sich innerlich zurück und behalten ihre Gefühle für sich.
Einige Kinder – häufiger Jungen – übernehmen die Rolle des Klassenclowns oder reagieren mit aggressivem Verhalten. Andere – häufiger Mädchen – ziehen sich eher zurück, entwickeln psychosomatische Beschwerden oder werden depressiv.

