Hochbegabung

Hochbegabte Kinder zeichnen sich durch sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen aus, durch die sie Gleichaltrigen in Teilgebieten oft beträchtlich voraus sind. Dies kann den logisch-mathematischen, den sprachlichen, den musikalischen, den bildnerisch-künstlerischen, den sportlichen oder den sozialen Bereich – manchmal auch mehrere dieser Bereiche gleichzeitig – betreffen.

Etwa 3% aller Kinder sind weit überdurchschnittlich intellektuell befähigt und gelten somit als hochbegabt.

Wie fallen hochbegabte Kinder auf?

Eltern, Erzieher*innen und Lehrer*innen hochbegabter Kinder, die sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen müssen, haben meist eine Vielzahl von Fragen. Auf den Folgeseiten versuchen wir auf die am häufigsten gestellten Fragen erste Antworten zu geben. Dabei versuchen wir für Verständnis für die besondere Eigenschaft dieser Kinder und für eventuell auftretende Probleme in Elternhaus, Kindergarten und Schule zu werben. Denn nur mit Wissen um Hochbegabung und der Bereitschaft, auf diese Eigenschaft einzugehen, kann erreicht werden, dass diese Kinder sich entsprechend ihrer Fähigkeiten zu ausgeglichenen und mit sich zufriedenen Erwachsenen entwickeln können.

Kindergarten

Im Kindergarten fällt ein hochbegabtes Kind auf

Langeweile: Empfindet schnell Langeweile, besonders bei Routineaktivitäten oder Aufgaben, die es als unterfordernd empfindet.

Ablehnung bestimmter Spiele: Findet manche Spiele oder Aktivitäten „doof“ und stört diese, um Aufmerksamkeit zu erlangen.

Interesse an „altersuntypischen“ Themen: Zeigt Begeisterung für Themen oder Aktivitäten, die von anderen als für das Alter unangemessen angesehen werden

Schwierigkeiten bei der Gruppenintegration: Hat Probleme, sich in Gruppen einzubringen, und wird dadurch oft zum Außenseiter.

Schule

In der Schule fällt ein hochbegabtes Kind auf

Ständiges Gefühl der Unterforderung: Fühlt sich im Unterricht und bei Aufgaben häufig nicht ausreichend herausgefordert.

Stigma als Streber oder Besserwisser: Wird von Mitschülern oft als Streber oder Besserwisser abgestempelt und ist deshalb unbeliebt.

Verhalten als Klassenclown: Nimmt die Rolle des Klassenclowns an, um von Mitschülern akzeptiert und von Lehrkräften wahrgenommen zu werden.

Gefühl des Unverstandenseins: Fühlt sich sowohl von Lehrern als auch von Mitschülern missverstanden und nicht akzeptiert.

Widersprüchliche Leistungen: Zeigt trotz offensichtlicher Intelligenz in einigen Bereichen unerklärlich schwache schulische Leistungen.

Umfeld

In seinem Umfeld fällt ein hochbegabtes Kind auf

Unübliche Freizeitinteressen: Zeigt wenig Interesse an den typischen, altersgemäßen Freizeitaktivitäten.

Perfektionismus und Selbstkritik: Ist perfektionistisch veranlagt und übt sowohl an sich selbst als auch an anderen starke Kritik.

Bevorzugung geistiger Aktivitäten: Zieht geistig-verbale Auseinandersetzungen körperlichen Aktivitäten vor.

Hohe Sensibilität für zwischenmenschliche Dynamiken: Besitzt ein ausgeprägtes Gespür für die Wechselwirkungen zwischen Menschen.

Asynchrone Entwicklung: Ist intellektuell seinen Altersgenossen weit voraus, zeigt aber eine gefühlsmäßige Reaktion, die seinem tatsächlichen Alter entspricht.

Gefühl der Isolation: Fühlt sich von seiner Umwelt oft unverstanden oder isoliert.

Wie erkennt man Hochbegabung?

In unserer Gesellschaft und insbesondere bei Lehrern, Schülern und Eltern besteht das Vorurteil, hochbegabte Kinder zeigten immer auch außergewöhnlich gute Leistungen in der Schule. Für viele hochbegabte Kinder trifft dies auch durchaus zu. Eine große Anzahl dieser Kinder entspricht aber gar nicht dieser Vorstellung. Diese Kinder sind anscheinend überhaupt nicht an Kindergarten oder Schule interessiert, haben schlechte Noten und verfügen häufig kaum über soziale Kontakte.

Diese Kinder verbergen ihre besonderen Begabungen, weil sie aufgrund langer Erfahrungen Angst vor Nachteilen haben. Sie haben das Gefühl, von Niemandem verstanden zu werden. Sie befürchten – bewusst oder unbewusst -sozialen Druck von Eltern, Verwandten, Gleichaltrigen, Erziehern und Lehrern und wollen diesen vermeiden.

Durch die fehlende Bestätigung und Anerkennung fühlen sich diese Kinder „falsch“ und entwickeln nur wenig Selbstbewusstsein. Bei Mädchen ist der soziale Druck zur Anpassung aufgrund längst überholt geglaubter, aber dennoch immer existenter Rollenvorstellungen meist höher. Daher werden immer noch sehr viel weniger Mädchen als hochbegabt erkannt, obwohl eine Gleichverteilung der Intelligenz am wahrscheinlichsten ist. Wir haben einige Kriterien zusammengestellt, an denen Eltern, Lehrer*innen oder Erzieher*innen Hochbegabung erkennen können. Ein weitgehend objektiver Nachweis der Hochbegabung kann aber nur durch einen Intelligenztest bei einem Psychologen erfolgen, der Erfahrung mit hoch begabten Kindern hat.

Erkennen durch Eltern

Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen für Eltern, eine mögliche Hochbegabung bei ihrem Kind zu erkennen. Nicht bei jedem Kind treffen alle Merkmale zu, eine Häufung von Merkmalen ist aber ein Hinweis auf eine mögliche Hochbegabung:

Das Kind hat sehr früh ein starkes Interesse an seiner Umgebung.

Es fängt früh an zu sprechen, „überspringt“ die Baby-Sprache, bildet sehr schnell ganze Sätze und verfügt über einen großen Wortschatz.

Es zeigt früh ein starkes Interesse an Symbolen, wie Automarken, Firmen-Logos und dann auch an Buchstaben und Zahlen.

Es löchert Erwachsene mit aufeinander aufbauenden Fragen – auch zu nicht vermeintlich „altersgerechten“ Themen.

Es erfasst komplexe Zusammenhänge und überträgt diese auf andere Fragestellungen.

Es hat Spaß am Lernen von unterschiedlichsten Themen.

Es zeigt einen starken Gerechtigkeitssinn und hinterfragt Entscheidungen von „Autoritäten“. Hat es den Sinn dieser

Entscheidungen aber eingesehen, folgt es ihnen manchmal mehr als 100-prozentig.

Es verblüfft Erwachsene häufig mit Fragen nach Ursprung und Sinn des Lebens.

Es bringt sich selber Lesen und Rechnen bei, ohne sagen zu können, wie es das geschafft hat.

Es fällt durch eine starke Phantasie auf und zeigt Initiative und Originalität bei intellektuellen Herausforderungen.

Es verblüfft durch ein gutes Gedächtnis.

Es ist ausgesprochen sensibel für zwischenmenschliche Beziehungen.

Es unterhält sich und spielt lieber mit älteren Kindern oder Erwachsenen als mit Gleichaltrigen.

Es hat nur ein geringes Schlafbedürfnis.

Eltern haben manchmal Schwierigkeiten, eine Hochbegabung bei ihrem Kind zu erkennen und zu akzeptieren. Zum einen, weil das Wissen um Hochbegabung fehlt, zum anderen, weil man Komplikationen und sozialen Druck fürchtet und dies vermeiden möchte. Manchmal haben Eltern auch einfach nur Angst, durch das Kind überfordert zu werden. Hochbegabung ist teilweise auch erblich bedingt. Das Eingeständnis, dass das Kind hochbegabt ist, könnte auch bedeuten, dass man selbst oder der Partner (oder auch beide) besonders begabt sind.

Hochbegabte Kinder haben – wie andere Kinder – viele Eigenschaften. Das bedeutet, dass nicht jede positive oder negative Eigenart eines Kindes auf seine Hochbegabung zurückzuführen ist – so angenehm diese Annahme auch manchmal sein dürfte.

Wenn Eltern erkannt haben, dass ihr Kind hochbegabt ist, gibt es viele Möglichkeiten, es auch außerhalb von Schule oder Kindergarten zu fördern: Das Wichtigste ist, dass Sie ihrem Kind den Eindruck vermitteln, dass seine Begabung gut und von Ihnen gewollt ist.

Erkennen durch Lehrer*innen/Erzieher*innen

Auch in Kindergarten und Schule können Erzieher und Lehrer anhand charakteristischer Eigenschaften oder Verhaltensweisen auf eine mögliche Hochbegabung schließen:

Das Kind beteiligt sich im Kindergarten nur ungern an Gruppenspielen, hat aber außergewöhnlich früh ein großes Interesse an Zahlen, Buchstaben oder Symbolen.

Es spielt und spricht im Kindergarten bevorzugt mit älteren Kindern oder Erziehern.

Es hat neuen Lernstoff meist beim ersten Mal verstanden und verabscheut Wiederholungen.

Es „versagt“ anscheinend bei Routine-Aufgaben, wird aber munter bei schwierigen Aufgabenstellungen.

Es schlampt Hausaufgaben, die zu einfach sind, wie z.B. Ausmalen, Päckchen-Rechnen, oder weigert sich, bereits Verstandenes in kleinen Variationen zu wiederholen. Es arbeitet aber sauber und ausführlich, wenn das Thema interessant und fordernd ist.

Es macht in Klassenarbeiten läppische Fehler bei einfachen Aufgaben, schwierigere Aufgaben werden aber fehlerfrei gelöst.

Es bekommt bei Tests schlechte Noten, obwohl der Lehrer subjektiv den Eindruck hat, es müsse alles verstanden haben.

Es langweilt sich im Unterricht und zeigt – manchmal auch demonstrativ – Desinteresse.

Es träumt anscheinend während des Unterrichts, weiß auf Anfragen aber die richtige Antwort.

Es spielt in Pausen nicht mit Gleichaltrigen und wird manchmal von anderen Kindern geschnitten, ausgegrenzt, gemobbt oder auch geschlagen.

Es spielt den Klassenclown, um von anderen anerkannt zu werden oder um etwas gegen Langeweile zu tun.

Es zieht sich total in sich zurück, ist häufiger krank oder simuliert Krankheiten.

Es ist ausgesprochen kritisch gegenüber sich selbst und gegenüber anderen – auch gegenüber Lehrern.

Auch hier gilt: Die genannten Einzeleigenschaften sind lediglich Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung. Nicht jeder Klassenclown, Träumer oder Einzelgänger ist hochbegabt, nicht jeder Fehler bei einfachen Aufgaben, nicht jede schlampige Hausarbeit ist auf eine Hochbegabung zurückzuführen.Erzieher oder Lehrer können ebenfalls Schwierigkeiten haben, eine Hochbegabung zu erkennen. Gründe dafür sind, dass Hochbegabung häufig immer noch kein Thema in Aus- und Fortbildung ist. Viele Lehrer setzen auch systembedingt gute Noten mit Intelligenz und schlechte Noten mit fehlender Intelligenz gleich. Häufig erkennen hochbegabte Kinder früh das Ziel der Stunde und verraten es, ohne dass die übrigen Kinder eine Chance hatten, das Lernziel schrittweise zu erarbeiten. Hinzu kommen die wachsenden Anforderungen an Lehrer in zu großen Klassen mit einer steigenden Anzahl von problematischen Kindern und Eltern.

Es gibt viele Möglichkeiten Hochbegabung zu fördern: Das Wichtigste ist, dass Sie demKind den Eindruck vermitteln, dass seine Begabung gut und von Ihnen gewollt ist.

Nachweis der Hochbegabung

Bestimmte Verhaltensweisen stellen nur Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung dar. Ein weitgehend objektiver Nachweis der Hochbegabung kann nur durch einen Intelligenztest bei einem Psychologen erfolgen, der Erfahrung mit hoch begabten Kindern hat.

Bei einem Intelligenzquotienten von 130 und mehr wird im Allgemeinen von einer Hochbegabung ausgegangen. Bei einem Quotienten zwischen 115 und 130 spricht man von einer überdurchschnittlichen Begabung. Der Intelligenzquotient ist ein Versuch, die individuelle Begabung objektiv zu messen und ist daher immer mit einer gewissen Ungenauigkeit verbunden. Ein Kind kann sich zwar aus vielen Gründen bei einem Intelligenztest zurücknehmen, so dass sein Intelligenzquotient unterschätzt wird. Dass ein zu hoher Quotient ermittelt wird, ist aber sehr unwahrscheinlich.

Erfahrene Psychologen sehen Intelligenztests nur als ein Werkzeug zur Diagnose von Hochbegabung an. Sie berücksichtigen auch die Ergebnisse einer Vorbesprechung mit Kind und Eltern sowie das Verhalten des Kindes während des Tests.

Intelligenztests scheinen uns erforderlich, wenn Sie gegenüber Kindergarten oder Schule (oder auch sich selbst gegenüber) einen Nachweis brauchen oder wenn Sie selber wissen möchten, auf welchen Gebieten die Begabung besonders hoch ist.

Viele Psychologen verfügen über große Erfahrungen mit Kindern vom anderen Ende des Intelligenzspektrums mit zum Teil problematischen Elternhäusern. Manche Eltern berichteten, dass sie in Einzelfällen den Eindruck hatten, dass diese Erfahrungen und die damit verbundenen Lösungsansätze vorschnell auch auf hochbegabte Kinder mit Schulschwierigkeiten übertragen wurden.

Wurde bei Ihrem Kind ein Intelligenztest durchgeführt, sollten Sie auf einem Ergebnisbericht bestehen, der auch das Profil der Begabungen auf den unterschiedlichen Gebieten aufzeigt.

Wenn Sie den Nachweis der Hochbegabung bei Ihrem Kind haben, ist es wichtig, es entsprechend den individuellen Bedürfnissen zu fördern.This is a placeholder tab content. It is important to have the necessary information in the block, but at this stage, it is just a placeholder to help you visualise how the content is displayed. Feel free to edit this with your actual content.

Förderung durch Eltern

Förderung durch Eltern

Die Entdeckung, dass Ihr Kind hochbegabt ist, eröffnet ein Feld voller Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Wichtig ist, dass Ihr Kind spürt: Seine Begabung ist ein Geschenk, das gefeiert und gefördert werden sollte.

Lernen im eigenen Tempo

  • Ehrgeiz ausbalancieren: Fördern Sie den Lerneifer Ihres Kindes, ohne es zu überfordern. Achten Sie darauf, dass das Kind das Lernenstempo bestimmt.
  • Wissensdurst stillen: Beantworten Sie die Fragen Ihres Kindes ausführlich und gestehen Sie ein, wenn Sie einmal nicht weiterwissen.
  • Vielfältige Interessen: Bieten Sie Ihrem Kind Anregungen in unterschiedlichen Themengebieten an.

Stärken und Schwächen

  • Individuelle Förderung: Unterstützen Sie die Stärken Ihres Kindes und arbeiten Sie gemeinsam an seinen Schwächen, ohne zu überfordern.
  • Aufklärung über Hochbegabung: Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über die Vor- und Nachteile seiner Hochbegabung.

Sozialer Austausch und Freizeitgestaltung

  • Vernetzung mit Gleichaltrigen: Organisieren Sie Treffen mit anderen hochbegabten Kindern, zum Beispiel über die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK).
  • Kulturelle Bildung: Besuchen Sie Museen, Ausstellungen, Konzerte und Theaterstücke, um das kulturelle Verständnis Ihres Kindes zu erweitern.
  • Zugang zu Wissen: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind Zugang zu Büchern, Computern und passender Software hat.

Außerschulische Bildungsangebote

  • Sprachliche und technische Fähigkeiten: Nutzen Sie Angebote wie fremdsprachliche Kurse, Computerkurse und andere VHS-Kurse.
  • Kreativität und Sport: Ermutigen Sie Ihr Kind, sich in künstlerischen oder sportlichen Aktivitäten zu engagieren.

Unterstützung im Alltag

  • Alltagskompetenzen vermitteln: Lehren Sie praktische Fähigkeiten, die Ihr Kind im täglichen Leben braucht.
  • Erfahrungsaustausch: Tauschen Sie sich mit anderen Eltern hochbegabter Kinder aus, um Unterstützung und neue Perspektiven zu gewinnen.
  • Persönliche Auszeiten: Vergessen Sie nicht, sich auch eigene Ruhezeiten zu gönnen. Das kommt nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Kind zugute.

Offener Umgang mit Hochbegabung

  • Transparenz schaffen: Gehen Sie offen mit dem Thema Hochbegabung um, und finden Sie eine Balance, die Ihrem Kind hilft, sich in seiner Haut wohlzufühlen.

Die Förderung hochbegabter Kinder erfordert Sensibilität, Engagement und die Bereitschaft, sowohl die einzigartigen Fähigkeiten als auch die individuellen Bedürfnisse des Kindes zu erkennen und zu unterstützen. Durch eine Kombination aus häuslicher Unterstützung, sozialer Vernetzung und außerschulischen Angeboten können Sie Ihrem Kind helfen, sein volles Potenzial zu entfalten.

Förderung durch Lehrer*innen und Erzieher*innen

Förderung durch Lehrer*innen und Erzieher*innen

In der vielfältigen Welt der Bildung steht die individuelle Förderung jedes Kindes im Mittelpunkt unserer pädagogischen Bemühungen. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Gruppe der hochbegabten Kinder, deren einzigartige Talente und Bedürfnisse spezifische Herangehensweisen und Strategien erfordern. Als Erzieherinnen und Lehrerinnen haben wir die wunderbare Gelegenheit, diese Kinder nicht nur in ihrer akademischen, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu unterstützen. Die folgenden Ausführungen bieten praxisnahe Ansätze und Überlegungen, wie wir hochbegabte Kinder erkennen, fördern und in das Klassengefüge integrieren können, um ihnen ein erfüllendes und anregendes Lernumfeld zu bieten.

Wertschätzung der Begabung

  • Anerkennung zeigen: Verstärken Sie bei hochbegabten Kindern das Gefühl, dass ihre Begabung erkannt und geschätzt wird.
  • Freiräume schaffen: Ermöglichen Sie individuelle Lernräume und vermeiden Sie unnötige Wiederholungen, um dem Kind zu helfen, sein volles Potenzial zu entfalten.

Differenzierte Aufgabenstellung

  • Vielfältige Lernangebote: Bieten Sie Aufgaben, die allen Kindern Wahlmöglichkeiten lassen, um verschiedene Interessen und Fähigkeitsniveaus zu berücksichtigen.
  • Spezielle Herausforderungen: Integrieren Sie Sonderaufgaben wie Knobelaufgaben, die die intellektuelle Neugier anregen und individuelle Leistungen anerkennen, ohne das Kind vor anderen hervorzuheben.

Integration und Kooperation

  • Soziale Einbindung: Fördern Sie die Integration des Kindes in die Klassengemeinschaft und schaffen Sie Verständnis für seine besonderen Bedürfnisse.
  • Peer-Learning: Binden Sie das hochbegabte Kind in die Unterstützung von Mitschülern ein, achten Sie jedoch darauf, keine Sonderstellung zu schaffen.

Flexible Lernwege

  • Individuelle Förderung: Bieten Sie Binnendifferenzierung durch spezielle Förderkurse für leistungsstarke Schüler an.
  • Akzeleration: Ermöglichen Sie den Besuch von höheren Klassenstufen oder das Überspringen von Klassen als Probe, um den Lernbedürfnissen des Kindes gerecht zu werden.
  • Drehtür-Modell: Nutzen Sie flexible Unterrichtsmodelle, die es dem Kind erlauben, zeitweise an spezialisierten außerschulischen Aktivitäten teilzunehmen.

Positive Effekte für die Lerngemeinschaft

  • Gemeinsames Wachstum: Die individuelle Förderung hochbegabter Kinder kann das Lernklima für die gesamte Klasse verbessern und zu einer motivierteren Teilnahme aller Schüler führen.

Die Anpassung des Unterrichts an die Bedürfnisse hochbegabter Kinder bietet eine wertvolle Möglichkeit, nicht nur diese Kinder individuell zu fördern, sondern auch das gesamte Lernumfeld positiv zu beeinflussen. Lehrkräfte, die sich dieser Herausforderung stellen, berichten häufig von einer verbesserten Klassendynamik und einer allgemeinen Steigerung der Lernmotivation.

Hilfe durch die DGhK

Hilfe durch die DGhK

In unserem Regionalverein gibt es eine Vielzahl von Elterngruppen, deren Arbeit vor Ort in vielem denen einer Selbsthilfe-Organisation entspricht:

  • Sie organisieren Veranstaltungen für Kinder zwischen 4 und 16 Jahren, die ein weites Spektrum von schulfremden Inhalten anbieten und das Zusammentreffen mit anderen hochbegabten Kindern ermöglichen.
  • Sie bieten für Lehrer und Eltern hochbegabter Kinder Gesprächskreise an, in denen Erfahrungen und Tipps zum Umgang mit den Kindern ausgetauscht werden können.
  • Sie halten Kontakte zu örtlichen Schulen und zur Schulverwaltung, um individuelle Lösungen zu finden, und zur lokalen Presse, um über die Problematik zu informieren.

Schulen – auch Spezialschulen – allein können, bei all den Problemen, mit denen Lehrer im Augenblick zu tun haben, keine optimale Förderung für hoch begabte Kinder bieten. Mit Wissen über Hochbegabung und der Bereitschaft, sich auf neue Wege der Vermittlung einzulassen, besteht aber eine gute Chance für eine bessere Förderung als derzeit an den meisten Schulen – trotz beschränkter Finanzmittel und trotz hoher Schüleranzahl. Das haben Modellversuche an einzelnen Schulen (auch in Nachbarländern) gezeigt. Zusätzlich zum Schulalltag ist aber meist eine ergänzende Förderung durch Teilnahme an außerschulischen Angeboten erforderlich, bei der betroffene Kinder auch mit anderen Hochbegabten in Kontakt kommen können.

Bitte sehen Sie Hochbegabung nicht als Krankheit oder Behinderung an. Hochbegabung ist eine besondere Gabe und Chance, über die wir uns mit dem Kind freuen sollten. Hochbegabte Kinder sind keine besseren Kinder und keine „Elite“, sie sind in einer Eigenschaft anders als andere Kinder. Auf diese Eigenschaft sollten wir lernen, besser einzugehen.

Zusammen stark für hochbegabte Kinder: Gemeinschaftliche Förderung, Austausch und Verständnis über Elterngruppen, außerschulische Bildung und partnerschaftliche Schulkooperationen.

Verweigerung des Kindes

Eltern und Lehrer sind meist verblüfft, wenn bei einem Kind, das in der Schule schlechte Noten hat, sitzenbleibt oder zurückgestuft wird, eine Hochbegabung festgestellt wird. Diese Leistungsverweigerung ist meist auf eine lange, von Erwachsenen nicht bemerkte und manchmal von dem Kind gut versteckte Leidensgeschichte zurückzuführen, die an folgenden beispielhaften, aber authentischen Szenen aus dem Leben hochbegabter Kinder aufgezeigt werden soll:

  • Ein dreijähriges Mädchen interessiert sich für Zahlen und Buchstaben. Ihre Mutter bremst sie: „Das hat dich noch nicht zu interessieren, das kommt erst in der Schule.“
  • Ein vierjähriger Junge fragt nach Funktionsweise des Toasters. Eine Freundin meint zur Mutter: „Ich habe zwar auch ein intelligentes Kind .. Aber die Frage würde ich ihm nicht beantworten, das versteht es sowieso noch nicht“
  • Eine Großmutter erfährt von den Interessen und Fähigkeiten ihres Enkels. Sie reagiert darauf – ehrlich besorgt: „Ich kannte auch mal einen, der war zu intelligent, der kam dann in die Klapsmühle“
  • Eine Mutter fragt Erzieherin, was sie von einer vorzeitigen Einschulung hält, da ihre Tochter liest, rechnet, sich im Kindergarten langweilt und in die Schule möchte. Worauf die Erzieherin nur antwortet: „Gönnen Sie dem Mädchen doch noch das Jahr.“
  • Bei der Einschulungs-Untersuchung lässt die Schulärztin ein Kind, das bereits lesen und rechnen kann, Form und Farbe von Bauklötzen nennen. Als das durch die Unterforderung sichtlich genervte Kind die Bauklötze dann auch noch in vorgestanzte Löcher einordnen soll, sagt es: „Ne, mach ich nicht. Soll’s sonst noch was sein?“ Darauf meint die Ärztin zur Mutter: „Na, besonders helle ist der aber auch nicht.“
  • Ein Mädchen zeigt in Grundschule ihr großes Wissen auf einem Teilgebiet. Anstatt das Mädchen zu loben, sagt die Lehrerin: „Jetzt nimm mal einen großen Schwamm, wisch all das weg, was du schon weißt, und fang von vorne an.“

Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass diese immer wiederkehrenden Reaktionen dazu führen müssen, dass das Kind sich von Eltern, Bekannten, anderen Kindern und Lehrern nicht verstanden, nicht akzeptiert, nicht so wahrgenommen fühlt, wie es tatsächlich ist. Es hat das Gefühl, es lebe im „falschen Film“.

Die Kinder erkennen – bewusst oder unbewusst – ihre Begabung als Ursache für ihr vermeintliches Problem und fangen an sich zu verleugnen, indem sie Leistungen mit Absicht zurückfahren und ihr Potenzial auf anderen Gebieten „ausleben“ oder alles „in sich hineinfressen“. Einige, häufiger Jungen, spielen den Klassenclown oder werden aggressiv. Andere, häufiger Mädchen, ziehen sich in sich zurück, entwickeln psychosomatische Beschwerden, werden depressiv.